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Gruppe

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Mädge,

zur o.a. Ratssitzung stellen wir folgenden Antrag:

Konzept integratives und generationenübergreifendes Quartier Kreideberg

„Die Verwaltung unterstützt die Arbeit einer im Stadtteil Kreideberg eingerichteten Arbeits- gruppe zur Erarbeitung eines Konzeptes für die Umsetzung eines integrativen und generationenübergreifenden Projektes.

Das Konzept soll in folgenden Arbeitsschritten erarbeitet werden:

• Bildung einer Planungsgruppe, bestehend aus interessierten BewohnerInnen, Vertretern aus Verwaltung und Politik sowie externen Fachleuten
• Befragung der Bewohner zu ihren Wünschen und Vorschlägen zum Quartiersum-bau
• Informationsweitergabe im Stadtteil über das Projekt in regelmäßigen Abständen
• Entwicklung eines Vorschlags für die Umsetzung

Ziel des Konzeptes ist es, die Wohnqualität im Stadtteil für alle Altersgruppen zu erhöhen und die Einrichtung von alternativen Wohn-Pflege-Angeboten im Rahmen von seniorengerechtem Wohnen zu ermöglich.

Das von der Arbeitsgruppe erarbeitete Konzept soll im Sozial- und Gesundheitsausschuss vorgestellt und beraten werden.“

Begründung:

Mit der Erarbeitung und Umsetzung eines solchen quartiersbezogenen Projektes wird beabsichtigt, in Anlehnung an das sogenannte „Bielefelder Modell“ die Lebensqualität für Jung und Alt in diesem Stadtteil zu sichern und zu verbessern, so dass im Zuge des demografischen Wandels

• der Verbleib in der vertrauten Umgebung ermöglicht,
• Selbständigkeit und selbst bestimmte Lebensführung unterstützt,
• Mitgestaltung und Teilnahme am gesellschaftlichen Leben gefördert,
• Selbsthilfe und Nachbarschaftshilfe gestärkt und
• das Zusammenleben der Generationen verbessert werden.

Diese Ziele sollen durch die beispielsweise nachstehend aufgeführten Maßnahmen er-reicht werden:

• barrierefreier Umbau von Wohnungen,
• weitgehende Beseitigung von Barrieren auf den Verkehrswegen,
• Erhaltung der Nahversorgung für den täglichen Bedarf,
• Verkehrsberuhigung auf der Thorner Straße,
• Verschönerung des Thorner Platzes,
• Einrichtung von Pflege-Wohn-Gemeinschaften,
• Einrichtung eines „Wohncafes“
• Herausgabe einer Stadtzeitung.

Die eigene Normalität zu bewahren, auch wenn manches schwerer fällt, ist ein breit geteiltes Ziel für das Leben im Alter. Nach wie vor möchten ca. 80% aller älteren Menschen so lange wie möglich in der eigenen Wohnung wohnen bleiben, auch wenn sie auf fremde Hilfe angewiesen sein sollten. Zur Normalität gehört auch, am Alltag im Quartier teilzuhaben, nicht isoliert und damit einsam zu sein. Die Lebensqualität hängt auch davon ab, dass man seine Tage in einem bestimmten Umfang weiter abwechslungsreich gestalten kann – sich an unterschiedlichen Orten aufhalten, mit unterschiedlichen Menschen in Kontakt sein, zwischen verschiedenen Angeboten wählen.

Dem entsprechend ist gem. §3a BSHG erforderliche Hilfe soweit wie möglich außerhalb von Anstalten, Heimen oder gleichartigen Einrichtungen zu gewähren. Der Grundsatz „ambulant vor stationär“ gilt für die aktuellen Entwicklungen in der Behinderten- und Altenhilfe und spielt besonders im Bereich des Wohnens eine wichtige Rolle. Mit diesem Projekt setzen wir auf den Ausbau ambulanter, quartiersbezogener Wohnformen, um damit weitgehend selbständige Lebensformen zu fördern.

Es geht um Menschen mit individuellen Fähigkeiten, Vorlieben, Interessen, die es gewohnt sind, sich in einer komplexen Gesellschaft entsprechende Möglichkeiten zu erschließen. Bei den Wohnwünschen gehen die Vorstellungen auseinander, gefragt sind aber vor allem neue Wohnformen: Selbstorganisiertes gemeinschaftliches Wohnen in Wohn- oder Hausgemeinschaften, Wohn-Pflege-Gemeinschaften, selbst gewählten Nachbarschaften und auch genossenschaftliche Ansätze. Deshalb ist das Projekt für den Stadtteil Kreideberg wichtig, um dieses Quartier für ganz unterschiedliche Lebensphasen und Lebenslagen zu gestalten.

Ältere Menschen sind nicht nur „Bewohner, die sich in einem begrenzten Wohnumfeld bewegen; sie sind auch Menschen mit einem komplexen Alltag und vielen Erledigungen. Auch bei den Älteren ab 80 Jahren sind 90 Prozent mindestens 1 Stunde täglich außer Haus.
Mit dem Ende des Erwerbslebens fallen Möglichkeiten weg, mit anderen in Kontakt zu kommen und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Andere Gründe, aus dem Haus zu sein und unter Menschen zu kommen, gewinnen an Bedeutung. Das sind Einkäufe, andere Erledigungen, der Besuch von Treffpunkten, Spazierengehen oder auch ehrenamtliche Tätigkeiten. Dabei ist die Gesundheit immer weniger eine Selbstverständlichkeit und ihre Beeinträchtigung erschwert alltägliche Verrichtungen und die Fortbewegung. Sich im Straßenraum fortzubewegen ist für die Mehrheit der Älteren bis 80 Jahre kein Problem, für einige von ihnen und für die Mehrheit der ab 80-Jährigen aber mit Schwierigkeiten verbunden, deshalb ist die Barrierefreiheit für diese Altersgruppe so wichtig.
Je schwerer die Fortbewegung außerhalb der Wohnung fällt, umso wichtiger werden die Angebote in der Nähe. Die meisten Älteren leben schon lange in ihrer Wohnung und der Stadtteil stellt den Lebensmittelpunkt dar und die Identifikation mit dem Wohnumfeld ist entsprechend hoch.

Weshalb „Integratives“ Quartier?

Die Zahl alter Menschen mit Behinderung wird auch aufgrund der demografischen Entwicklung weiter steigen. Insgesamt wird sowohl die Anzahl der Menschen mit Behinderung als auch die Schwere ihrer Behinderung zunehmen und damit verbunden der Hilfebedarf. Bisher sind Alten- und Behindertenhilfe zwei getrennte Systeme und Kulturen. Gerade ein quartiersbezogener Ansatz bietet – anders als ein trägerbezogener Blickwinkel – die Chance, diese zusammenzuführen. Das drückt sich auch in dem Konzept „Wohnen mit Assistenz“ aus, das sich auf Menschen mit Unterstützungsbedarf allgemein – nicht nur auf ältere Menschen – bezieht.


Mit freundlichen Grüßen

Eduard Kolle Ernst Bögershausen
SPD-Fraktion Fraktion Bündnis 90/Die Grünen